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01.02.2008

Interview mit Reinhard Klimmt

Der ehemalige Bundesverkehrsminister im Kabinett Schröder und ehemalige saarländische Ministerpräsident Reinhard Klimmt gab im Rahmen einer Buchpräsentation unserem Magazin gegenüber ein exklusives Interview über den Tag X, die Stahlkrise und die Chancen des Saarlandes.


Dieter J. Maier:

Herr Klimmt, vielen Dank dass Sie sich für dieses Interview Zeit genommen haben.
Das Saarland konnte letztes Jahr seinen fünfzig jährigen Geburtstag feiern. Wie haben Sie damals den damit zusammenhängenden Tag X erlebt?


R. Klimmt:

Für mich war, als jemand der von auswärts kam, ich bin ursprünglich aus Berlin, der Tag X etwas, was gerade stattgefunden hatte, als ich das erste Mal ins Saarland gekommen bin. Ich war damals noch als Schüler auf der Durchreise nach Frankreich, kam in ein Land, dass für mich von einer großen, abenteuerlichen Aura versehen war, weil es diese deutlich französische Seite beinhaltete. Ich erlebte diesen Wandel, der sich ökonomisch vollzog, in dem die politische Eingliederung 1957 erfolgt war und wo nun in der Nacht vom 05./06. Juli die wirtschaftliche Wiedereingliederung stattfand, als Röder am Eichescheider Hof bei Homburg die Schranke hob und damit die Zollgrenze zu Deutschland fiel.
Röder war derjenige, der den Triumph der Vollendung der Rückgliederung des Saarlandes symbolisch auskosten durfte.


Dieter J. Maier:

Welche Auswirkungen hat der Tag X heute noch auf das Saarland?


R. Klimmt:

Wir sind in vielen Dingen eine etwas verspätete Region, weil wir zur Bundesrepublik dazugestossen sind.
Das erkennt man vor allem in daran, dass es hier keine Bundeseinrichtungen gibt, denn die Institutionen des Bundes wurden breit über die Fläche der der Bundesrepublik bzw. der Bundesländer verstreut.
Das Bundesverfassungsgericht befindet sich in Karlsruhe, das Bundesarchiv ist in Koblenz und so kann man weitere Institutionen aufreihen. Das nächste war, dass sich in der Phase, wo eine ganze Reihe von Unternehmen, die in Berlin oder anderswo in Ostdeutschland waren, sich westdeutsche Sitze suchten und so hatte das Saarland wenig eigene große Unternehmen, außer dem Stahlfaktor.
Villeroy und Boch war das einzige wirklich große, börsenorientierte Unternehmen, das weltweit operierte.
Sowohl die verspätete politische als auch die ökonomische Eingliederung hinterlassen heute immer noch deutlich ihre Spuren, denn die wirtschaftlichen Strukturen entwickeln sich erst über längere Zeit.
Eine Investition, die man heute tätigt, entwickelt sich in einem Zeitraum von fünf bis zwanzig Jahren. Von daher leidet das Saarland in der Tat noch unter diesem verspäteten Anschluss an den Wirtschaftsraum der Bundesrepublik.


Dieter J. Maier:

Im Moment läuft ja die Förderalismuskommission 2. Trotzdem gab und gibt es immer wieder verstärkt Überlegungen, das Saarland an Rheinland Pfalz anzugliedern. Gab es auch ihrerseits diesbezüglich Überlegungen, oder sollte das Saarland weiterhin eigenständig bleiben?


R. Klimmt:

Zunächst ein eindeutiges Ja. Die Debatte ist nicht neu. Ich habe damals zu meiner Zeit als Ministerpräsident eine scherzhafte Formulierung verwandt, die der jetzige Ministerpräsident in variierter Form aufgegriffen hat. Ich sagte damals zu Rudolf Scharping, später auch zu Kurt Beck, dass ich mit einem Zusammenschluss der Länder einverstanden sei unter drei leicht zu erfüllenden Bedingungen: 1. das neue Gebilde heißt Saarland, 2. die Hauptstadt wird Saarbrücken und 3. Lafontaine oder Klimmt sind Ministerpräsident. Ich hatte auch noch eine zweite Variante: Wenn wir euch zu klein sind, dann macht uns doch größer. Wir nehmen gern den Unterlauf der Saar mit den Weingebieten. Das würde gut zu uns passen. Dies führte dann doch dazu, dass das Thema gewechselt wurde. Ernsthaft gesehen geraten wir beim Zusammenschluss der Länder in eine ähnliche Randlage, wie das mit Trier der Fall ist. Mainz als Hauptstadt hat als Gegenüber Frankfurt. Hier denkt man nicht an eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die notwendig wäre. Ein Zusammenschluss wäre für das Saarland nicht von Vorteil. Eine Zukunft für das Saarland kann man meiner Meinung nach nur mit einer grenzüberschreitenden Bildung einer neuen, europäischen Einheit mit den Städten Luxenburg-Trier-Kaiserslautern-Metz und Nancy suchen. Somit könnte man eine Stärkung der Region erreichen.


Dieter J. Maier:

Sie sind privat ein großer Bücherfreund und Sammler, mit einer Bibliothek von ca. 10.000 Bänden.
Sie schreiben aber auch selbst Bücher und sind schon lange mit Ulrich Wickert ( Tagesthemen) befreundet. Wie haben Sie Ulrich Wickert kennen gelernt?


R. Klimmt:

Ulrich Wickert kenne ich aus der Zeit, als er sich in den intellektuellen Zirkeln der SPD aufhielt. Nachdem er als Journalist tätig wurde, hat er dies reduziert. Er hat mich oft interviewt und wir merkten, wenn wir uns begegnet sind, dass wir beide die gemeinsame Liebe zu Frankreich haben und sowohl der Humor, als auch die Chemie zwischen uns stimmt. Wir lieben beide Bücher und unterstützen uns gegenseitig bei Buchpräsentationen. Diese Seelenverwandtschaft besteht zwischen uns seit vielen Jahren.


Dieter J. Maier:

Herr Klimmt, vielen Dank für das Gespräch.

Quelle:
Dieter J. Maier

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