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02.07.2008

Edle Brautradition in Geschichte und Gegenwart - Teil 2

Die Geschichte der Karlsberg-Brauerei

Paul Weber

Foto: Karlsberg Brauerei

Die Geschichte der Karlsberg-Brauerei begann, wie bereits im ersten Teil erwähnt im Jahre 1878, als der aus Altstadt stammende Kolonialwarenhändler Christian Weber mit dem Ankauf der in bankrott geratenen Brauerei Jacoby, den Grundstein für ein Weltunternehmen legte. Nur 18 Jahre nach der Gründung erreichte Christian Weber mit einem Grundkapital von 1,1 Millionen Mark eine Vervielfachung seines investierten Vermögens. Nachdem sein Sohn Richard Weber 1910 das Unternehmen zu leiten begann, erzielte die Karlsberg-Brauerei einen stetigen Bierausstoß. Nach umfassendem Immobilienerwerb und Investitionen wurde die Karlsberg-Brauerei 1937 in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt und Richard Weber als alleiniger geschäftsführender Gesellschafter eingesetzt. Am 21. November 1939 verstarb der Patriarch und Gründer der Brauerei Christian Weber im biblischen Alter von fast hundert Jahren in der Krankenanstalt Speyerer-Hof bei Heidelberg, wohin er nach Kriegsausbruch evakuiert worden war.
Mit seinem Tod ging eine Ära zu Ende. Als man ihn einige Tage später auf dem Homburger Waldfriedhof zu Grabe trug, nahmen Hunderte von Homburgern Abschied von ihrem Ehrenbürger, der ein großes Stück Stadtgeschichte mitgeschrieben und die Zerstörung seiner Brauerei nicht mehr erleben musste. Der Ausbruch des zweiten Weltkriegs forderte in den folgenden sechs Jahren auch von der Karlsberg-Brauerei seinen Tribut und viele Blutopfer. Alle wehrfähigen Betriebsangehörigen wurden zum Frontdienst nach und nach eingezogen, viele von ihnen starben sinnlos in den Schützengräben. Unter ihnen war auch Richard Weber jun., der Sohn des Direktors und Enkel des Gründers, der 1940 eingezogen wurde und ein Jahr später auf der Krim vor Sewastopol fiel. An seine Stelle trat 1942 sein jüngerer Bruder Paul Weber, der bereits 1948 geschäftsführender Gesellschafter der Karlsberg-Brauerei wurde. Sein Vater Richard Weber sen. überlebte den zweiten Weltkrieg nur um ein einziges Jahr. Er starb gezeichnet vom Verlust seines im Krieg gefallenen Sohnes bereits 1946 nach schwerer Krankheit, weil es im zerbombten Nachkriegsdeutschland kaum Penicillin und andere notwendige medizinische Versorgung gab. Das Kriegsende bedeutete für das Unternehmen einen fast völligen Neubeginn. Die Zerstörungen ließen zunächst an eine Produktion nicht denken, doch da zum Glück das Maschinenhaus nur von einem Bomben-Blindgänger getroffen und nicht zerstört wurde, richtete Dr. Paul Weber sofort die Produktion von "Dünnbier" ein, wie es damals üblich und allgemein zugelassen war. Doch die wachsenden Schwierigkeiten blieben nicht aus, als die Malz-Zuteilung in den folgenden Monaten immer geringer wurde.Es war die Zeit der Bewirtschaftung aller Güter des täglichen Bedarfs. Die Karlsberg-Brauerei erholte sich jedoch im Zuge der Adenauer-Ära und unter dem Einfluss des deutschen Wirtschaftswunders relativ rasch von den Kriegsschäden. Bereits 1956 wurde das Sudhaus erheblich erweitert und erlaubte erstmals eine Gesamtproduktion von 500.000 Hektolitern Bier pro Jahr. Die Unternehmensleitung war nach Kriegsende bestrebt, das Unternehmen größer und leistungsfähiger zu machen, wobei die neue wirtschaftliche Situation sich als ein Segen für die Karlsberg-Brauerei herausstellte, denn sie konnte in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihren Aktivitätsradius vergrößern und ihren Kundenstamm erheblich ausbauen.

Quelle:
Dieter J. Maier

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