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24.06.2008

"Jeder Auftritt ist etwas besonderes für mich"

Interview mit Andy Borg

Seit über 25 Jahren steht Andy Borg für beste deutsche Schlagerunterhaltung und wenn es um völkstümliche Klänge geht, ist der symphatische Wiener auch stehts zur Stelle. Doch so locker er sich auf der Bühne gibt, privat ist er eher ein ernster und sehr familiärer Mensch geblieben. Anlässlich eines Auftritts beim "Fröhlichen Weinberg" in Schweigen an der Weinstraße äusserte sich Andy Borg gegenüber Saar-Report über seine lange Schager-Karriere, seine beruflichen Anfänge und sein persönliches Erfolgsrezept.


Dieter J. Maier:

Herr Borg, Sie sind nicht nur seit vielen Jahren erfolgreicher Schlagersänger, sondern haben auch Erfahrung als Moderator. Wie kam es dazu?


A. Borg:

Foto: MCP Sound & Media GmbH

Das war fast ein reiner Zufall. Dieter Thomas Heck, der in der deutschen Fersehunterhaltung schon so etwas wie eine lebende Legende ist, hat mich eines Tages gefragt, ob ich mal beim Casting der Schlagerparade in Baden-Baden vobeischauen möchte. Ich kannte Dieter schon aus vielen Fersehsendungen in Berlin und sagte sofort zu. Nach einigen Probeaufnahmen bekam ich einige Wochen später einen Anruf von seiner Frau, dass ich ausgesucht wurde, zukünftig die Schlagerparade zu moderieren. Für mich war das eine wunderschöne Zeit, die ich gerne noch viele Jahre fortgesetzt hätte. Leider wurde das Konzept später geändert, so dass ich mich daraufhin entschloss, die Moderation nicht mehr weiter fortzuführen.


Dieter J. Maier:

Sie stehen schon über 25 Jahre auf der Bühne. Welches Erfolgsrezept haben Sie, um sich so lange im Schlagergeschäft halten zu können?


A. Borg:

Da gibt es kein richtiges Erfolgsrezept, denn die Fans bestimmen letztendlich, was sie hören möchten und was nicht. Ich habe schon bei der Schlagerparade gemerkt, dass man mit einem Lied viel tiefer und intensiver die Menschen berühren kann, als mit einer Moderation. Als Moderator zählt man sozusagen Fakten auf, aber als Sänger singt man ja eine Geschichte, in die sich das Publikum hineinversetzen kann. Die Menschen holen sich aus dieser Geschichte dann das heraus, was auf sie persönlich passt, oder was sie berührt. Das ist der große Unterschied daran und wenn ich mich entscheiden müsste zwischen Moderation und Singen, dann würde ich ohne zu Zögern immer wieder das Singen wählen.


Dieter J. Maier:

Wie waren Ihre beruflichen Anfänge?

A. Borg:

Ich habe auf Wunsch meiner Eltern zuerst den Beruf des Mechanikers erlernt, obwohl diese Ausbildung überhaupt nicht meinen Neigungen entsprach. Damals war es für mich die Hölle, aber heute bin ich froh darüber, diese Ausbildungszeit durchgehalten zu haben. Ich kann heute viel besser einschätzen, was es heißt, jeden Tag hart körperlich arbeiten zu müssen. Eine Karte für den "Musikantenstadl" kostet zum Beispiel zwischen 50 und 75 Euro, dafür müssen meine Fans jeden Tag zur Arbeit gehen. Davor habe ich Achtung und das animiert mich bei jedem Auftritt, mein Bestes zu geben und meinem Publikum einen unvergesslichen Abend zu bereiten.


Dieter J. Maier:

Sie haben neben Ihrer Moderation beim "Musikantenstadl" im Jahr noch sehr viele Live-Auftritte. Wie bewältigen Sie diesen körperlichen Stress, den sie zwangsläufig dabei mit in Kauf nehmen müssen?


A. Borg:

Foto: MCP Sound & Media GmbH

Ich würde lügen wenn ich sagen würde, dass das alles spurlos an mir vorüber geht. Ich fahre allein 100.000 km im Jahr im Auto, den Rest lege ich mit meiner Frau zusammen im Flugzeug zurück. Wenn ich aber dann auf die Bühne gehe, merke ich von all diesem Stess nichts mehr, weil dieses positive Adrenalin das ich dann spüre, den körperlichen Stess wieder wegwischt. Ich merke aber trotzdem, dass ich mit fast Fünfzig nicht mehr so belastbar bin wie noch vor 10 Jahren. Mir ist allerdings jeder noch so kleine Autritt wichtig, weil ich keine Unterschiede sehe zwischen der Köln-Arena mit 10.000 Zuschauern und einer Veranstaltung mit 150 Leuten. Im Gegenteil: ich spüre die Reaktion des Publikums bei einem kleinen Autritt oft noch intensiver als bei einem Großen. Wenn ich ein Konzert gebe, möchte ich dem Publikum das bieten was es von mir erwartet, nämlich Freude und Entspannung. Ich kann mich aber nicht fallen lassen wenn ich nach 1000 km noch den "Musikantenstadl" im Kopf habe und an die zurückliegende Fahrt denke. Jeder Auftritt ist etwas ganz besonderes für mich und ich glaube, dass mein Publikum das auch spürt.


Dieter J. Maier:

Was war Ihr schönstes berufliches oder privates Erlebnis?


A. Borg:

Das werde ich seltsamerweise in letzer Zeit öfter gefragt. Ich kann dazu nur sagen, dass ich für alles dankbar bin, was ich bis jetzt erleben durfte. Als ich zum Beispiel in der Westfalenhalle den silbernen Löwen von RTL bekam und anschließend 15.000 Menschen mit mir "Arrivederci Claire" gesungen haben, dachte ich, daß dies der schönste Moment meines Lebens ist. Auch bei der Überreichung einer goldenen Schallpatte glaubte ich immer, dass ich jetzt den Zenit überschritten hätte. Bei der Schlagerparade dachte ich ebenfalls, jetzt am Höhepunkt meiner Karriere angelangt zu sein. Im Moment mache ich den "Musikantenstadl", bin glücklich verheiratet, habe aus erster Ehe zwei gesunde Kinder und bin sehr froh, dass zur Zeit alles so gut bei mir läuft.


Dieter J. Maier:

Was sind Ihre nächsten beruflichen Projekte?


A. Borg:

Ich mache neben meinen vielen Auftritten jedes Jahr 5 Fernsehsendungen mit dem "Musikantenstadl", davon hat der "Sylvester-Stadl" allein 5 Stunden Sendezeit. Beruflich soll es bloß so weiterlaufen, wie es jetzt ist. Ich bin was meine Karriere betrifft weit über meinen Traum hinausgekommen, aber das wichtigste bei allem ist für mich, das meine Familie gesund bleibt. Ich bin der Meinung, wenn man ein sicheres, familiäres Netz hat, kann beruflich alles zusammenbrechen und trotzdem hat man durch diesen Halt immer noch sicheren Boden unter den Füßen. Ich habe in meinem Leben alles erlebt, führe eine glückliche Ehe, meine Kinder und meine Eltern verstehen sich gut mit mir. Das ist alles was ich brauche und ich bin dankbar, auf der Sonnenseite des Lebens stehen zu können.


Dieter J. Maier:

Herr Borg, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin alles Gute für Ihre Zukunft.

Quelle:
Dieter J. Maier

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