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25.02.2009

Projekt „Stolpersteine“

Die Synagogengemeinde Saar plant, in Saarbrücken im Rahmen des Projektes „Stolpersteine“ öffentlich an die Verbrechen an Juden in der Nazi-Zeit zu erinnern. Gemeinsam mit Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz hat der Vorsitzende der Synagogengemeinde, Richard Bermann, heute Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, das Vorhaben zu unterstützen. Dabei sollen vor den letzten frei gewählten Wohnorten von Juden, die Opfer des Hitler-Regimes wurden, Gedenktafeln aus Messing in den Boden eingelassen werden.

Ins Leben gerufen hat das Projekt „Stolpersteine“ der Künstler Gunter Demnig. In über 300 Orten in Deutschland, Österreich und den Niederlanden hat der gebürtige Berliner inzwischen die Gedenksteine verlegt. Demnig hat sich bereit erklärt, auch in Saarbrücken „Stolpersteine“ zu verlegen. Dabei zählt zu seiner Projektidee, dass nicht etwa Kommunen Gelder für die Gedenktafeln zur Verfügung stellen, sondern Bürger und Institutionen in den jeweiligen Städten und Gemeinden für die Steine spenden. Kosten: 95 Euro pro Stein, die Synagogengemeinde verwaltet die Spendengelder.

„‚Stolpersteine’ ist ein Projekt gegen das Vergessen. Die Idee, die dahinter steckt, funktioniert nur, wenn sich die Bürgerinnen und Bürger daran beteiligen und sich aktiv für das Erinnern einsetzen. Das Projekt nimmt uns alle in die Pflicht. Deshalb finde ich die Idee Demnigs so gut und möchte alle in unserer Stadt aufrufen, das Vorhaben Stolpersteine zu unterstützen“, sagte Charlotte Britz.

Als Vorsitzender der Synagogengemeinde Saar möchte Richard Bermann mit den Stolpersteinen verhindern, dass die Menschen in Vergessenheit geraten, die Opfer der barbarischen NS-Tötungsmaschinerie wurden. „Wir wollen, dass ihrer in besonderer Weise gedacht wird. Mit Stolpersteinen soll die Erinnerung an die Verfolgten der NS-Zeit lebendig gehalten werden, in dem Passanten zum Innehalten und Gedenken angeregt werden“, sagte Bermann. Mit den Stolpersteinen sollten historische Spuren gelegt werden. Bermann: „Spuren, die zum einen das Gedenken an ehemalige Saarbrücker Mitbürgerinnen und Mitbürger jüdischen Glaubens wach halten, die als Minderheiten und Verfolgte der Schreckensherrschaft des Nazi-Regimes im Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen sind. Spuren aber auch, die uns zum Nachdenken anregen sollen.“

Die Synagogengemeinde begreife die „Stolpersteine“ als Aufforderung an alle Menschen, stets mit aller Kraft für die Menschenwürde und die Rechte von Minderheiten einzutreten. Zu den von den Nationalsozialisten während des Dritten Reiches verfolgten Gruppen gehörten auch die Saarbrücker Juden. Bermann: „Männer, Frauen und Kinder, die im KZ ermordet wurden, nur weil sie Juden waren. Zu wenig in unserer Stadt erinnert an diese Menschen und das soll sich ändern. Gerade in diesem Jahr, da die Großstadt Saarbrücken ihren 100-jährigen Geburtstag feiert, möchten wir die ersten Stolpersteine verlegen lassen. Gespräche mit dem Kölner Künstler Günter Demnig laufen.“ Wünschenswert wäre es, so Bermann, Schulen in Saarbrücken zu gewinnen, deren Schüler und Lehrer sich auf Spurensuche nach deportierten und im KZ ermordeten Menschen machen würden. Den Opfern des Holocaust einen Namen geben, das könnte ein Ziel einer solchen Spurensuche sein.“

Saarbrückens Kulturdezernent Erik Schrader: „In diesem Punkt haben wir der Synagogengemeinde bereits unsere Unterstützung zugesagt. Wir stellen gerne den Kontakt zu unseren Schulen her, um das Projekt von Schülern begleiten zu lassen. Auch unser Stadtarchiv hilft gerne bei der notwendigen Recherche.“

„Unser Baudezernat wird zudem bei der Auswahl geeigneter Stellen für die Steine zur Seite stehen“, erklärte Charlotte Britz. Später sollen die Steine auch in weiteren saarländischen Städten und Gemeinden verlegt werden, erklärte Bermann.


Spendenkonto:

Die Synagogengemeinde Saar hat für das Projekt Stolpersteine ein Spendenkonto eingerichtet: Konto-Nr.: 019556005 bei der Deutschen Bank, BLZ 59070070.

Auskunft erhalten Interessierte bei der Synagogengemeinde unter Telefon: (0681) 91038-0 oder E-Mail: info@synagogengemeindesaar.de


Hintergrund:

Die Stolpersteine sind 10 mal 10 Zentimeter groß, aus Beton gegossen und mit einer Messingtafel versehen. Sie werden in öffentliche Gehwege bündig eingelassen, damit niemand durch sie zu Schaden kommen kann. Sie heißen dennoch „Stolpersteine”, denn wer sie im Vorübergehen sieht, soll im Geiste darüber stolpern, kurz innehalten und die Eingravierung lesen. Unter der Überschrift “Hier wohnte...” und Daten der Deportation und Ermordung wird mit den Steinen der Opfer des Nazi-Regimes gedacht.

Weitere Informationen zu den Stolpersteinen von Gunter Demnig im Internet: stolpersteine.com

Quelle:
LANDESHAUPTSTADT SAARBRÜCKEN

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